Anaïs Meier
2026/27

1984 in Bern gebo­ren. Stu­dierte einige Seme­ster Film­wis­sen­schaf­ten in Zürich, dann Film und Medien an der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg in Lud­wigs­burg und schliess­lich Lite­ra­ri­sches Schrei­ben am Schwei­ze­ri­schen Lite­ra­tur­in­sti­tut in Biel.

Ihre Texte werden seit 2005 publi­ziert und an Lesun­gen vor­ge­tra­gen, bis 2010 unter dem Pseud­onym Anton Meier. 2013–2017 führte sie mit dem Künst­ler Simon Krebs in Basel den Kleinst­ver­lag Büro für Pro­blem, dort ver­ant­wor­tete Anaïs Meier die „Ligne Éclair“.

Um ihr Anlie­gen eines unver­krampf­ten, humor­vol­len und fri­schen Zugangs zur Lite­ra­tur zu för­dern, ver­an­stal­tete sie von 2017–2019 die „Lite­ra­ri­schen Ver­an­stal­tun­gen U. Lässig“ im Mate­rial — Raum für Buch­kul­tur in Zürich.

2017 war sie Co-Grün­de­rin des Autorin­nen­kol­lek­tivs RAUF und von 2018–2022 schrieb sie die monat­li­che Kolumne „Aus dem Réduit“ für die Zür­cher Fabrikzeitung.

2020 erschien der Kurz­ge­schich­ten­band „Über Berge, Men­schen und ins­be­son­dere Berg­schnecken“ bei mikro­text und 2021 der Roman „Mit einem Fuss draus­sen“ bei Voland & Quist. 2022 erhielt Anaïs Meier den Kas­se­ler För­der­preis für Komi­sche Literatur.

Neben der lite­ra­ri­schen Arbeit über­nimmt sie auch Dreh­buch­auf­träge. Anaïs Meier lei­tete aus­ser­dem diverse Schreib­work­shops und bietet lite­ra­ri­sche Men­to­rate an.

Foto: Enrico Meyer

Publikationen

Über Berge, Menschen und insbesondere Bergschnecken

Kurzgeschichten

Brave Schwei­zer Bür­ge­rin­nen und Bürger spüren das Außer­or­dent­li­che heftig in sich pochen. Es sind Men­schen von gegen­über, Men­schen aus dem Dorf, Men­schen, die wir alle kennen, die hier por­trai­tiert werden. Anaïs Meier wählt bewusst aus, guckt genau hin und schafft das Kunst­stück, Figu­ren zu zeich­nen, die einem sofort bekannt vor­kom­men, ohne dass sie je einem Kli­schee entsprechen.

Die weit­ge­rei­sten Alt­hip­pies, der Hip­ster­koch und die Erfin­de­rin der Crazy Ellipse — sie alle machen die Schweiz zu dem, was sie ist: ein Ren­con­trée der Son­der­linge. Kei­nes­wegs werden diese Figu­ren aber vor­ge­führt, viel­mehr werden sie vor der Folie der Gege­ben­hei­ten gezeigt. Es geht also nicht darum, dass jemand ins Lächer­li­che gezo­gen wird, son­dern viel­mehr um eine hin­ter­sin­nige Kritik an Syste­men, am ver­meint­lich Unum­stöß­li­chen unse­rer Gegenwart.

“Aus der naiv-ein­fach getarn­ten Wort­land­schaft springt plötz­lich ein Tiger, ein hoch­kom­pli­zier­ter sprach­phi­lo­so­phi­scher Beweis! Das ist alles sehr lustig, gna­den­los ein­fühl­sam und so trocken, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.” Michelle Steinbeck

Publi­ziert bei mikrotext.

Mit einem Fuss draussen

Roman

In einer mit­tel­gro­ßen Schwei­zer Stadt lauert einer im Schilf. Es ist Ger­hard, selbst­er­nann­ter Kom­mis­sär, schrul­li­ger Prot­ago­nist und eigen­wil­li­ger Erzäh­ler in Anaïs Meiers Debüt­ro­man. Im See des Parks, in dem er jeden Morgen und jeden Abend seinen “Fla­mingo” macht, um Kon­takt zum Uni­ver­sum her­zu­stel­len, sieht er einen Fuss. Ger­hard, der ein­sied­le­risch am Rande der Gesell­schaft lebt, will den Frie­den im Park wieder her­stel­len und macht sich auf, um diesen Kri­mi­nal­fall zu lösen. Dabei kommt es zu Kon­tak­ten mit der Außen­welt: Er trifft auf bier­trin­kende Angel­fi­scher mit ihrem Ver­eins­prä­si­den­ten Krücken­pa­trick, eine dau­er­be­kiffte Jugend­gang, nacht­wan­dernde Hun­de­hal­te­rin­nen, einen schmie­ri­gen Lokal­re­por­ter und die Park­wäch­te­rin Blüeh­ler, die gar nicht so schlimm ist wie anfangs gedacht. Sie alle haben wie Ger­hard weder Geld noch Per­spek­ti­ven, aber sie haben den Park: Und der bedeu­tet ihnen die Welt.

Publi­ziert bei Voland & Quist.